A. Fragen zur Krankheit

1. Was ist eine bipolare Störung?

Als menschliche Wesen erleben wir alle einen Wechsel der Stimmungen – Freude, Traurigkeit, Wut, um nur einige wenige zu nennen. Unangenehme Gefühle und Wechsel der Stimmungen sind normale Reaktionen auf das tägliche Leben und oft können wir die Ereignisse benennen, die unseren Stimmungswechsel verursachten. Wie auch immer, wenn wir Stimmungswechsel erfahren – oder extreme Stimmungen – die außer Verhältnis zu dem Ereignis stehen oder „aus heiterem Himmel“ kommen und es uns schwer machen, tätig zu sein, sind diese Wechsel häufig das Ergebnis einer Stimmungsstörung.

Stimmungsstörungen sind biologische Krankheiten, die unsere Fähigkeit zu normalen Stimmungszuständen beeinträchtigen. Es gibt 2 generelle Gruppen von Stimmungsstörungen:

unipolare depressive Störungen, bei denen alle abnormalen Stimmungswechsel eine niederge-drückte Stimmung hervorrufen, und

bipolare Störungen, bei denen zuletzt einige der Stimmungsumschwünge eine unnatürliche Erhöhung  der Stimmung zur Folge haben. Alle Stimmungsstörungen sind durch einen Wechsel in der Chemie des Gehirns bedingt. Sie sind nicht der Fehler der daran leidenden Person. Sie sind nicht das Ergebnis einer “schwachen“ oder unbeständigen Persönlichkeit. Stimmungsstörungen sind hingegen behandelbare medizinische Krankheiten, für die es spezielle Medikamente gibt, die den meisten Menschen helfen, damit erträglich zu leben.  

Weiteres siehe unter Bipolare Störungen / Ursachen

2. Was ist eine Depression?  

Depression (schwere depressive Episode). In einer schweren depressiven Episode sind folgende Symptome für mindestens 2 Wochen vorhanden und machen es der Person schwer, zu arbeiten:  

Sich traurig, niedergeschlagen oder deprimiert fühlen oder das Interessen an Dingen verlieren, an denen man sich normalerweise erfreut  

mit wenigstens  4 der folgenden Symptome:

Schlafstörungen oder zuviel Schlaf

Verlust des Appetits oder zuviel Essen

● Probleme, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen

● Sich verzögert fühlen oder zu aufgeregt fühlen, um still zu sitzen

● Sich wertlos oder schuldig fühlen oder sehr wenig Selbstachtung haben

● Suizid- oder Todesgedanken haben  

Schwere Depressionen können Halluzinationen oder Wahnvorstellungen einschließen.

Weiteres siehe unter Bipolare Störungen / Depression


3. Was ist Manie?

Manie (manische Episode). Manie beginnt häufig mit einem angenehmen Gefühl erhöhter Energie, Kreativität, und sozialem Wohlbehagen. Wie auch immer, entwickeln sich diese Gefühle schnell zu einer voll entwickelten Euphorie (extrem gehobene Stimmung) oder schweren Reizbarkeit. Leute mit einer Manie lassen typischerweise Einsicht vermissen, verneinen, dass irgendetwas falsch läuft, und geben ärgerlich jedem die Schuld, der auf ein Problem hinweist. In einer manischen Episode sind die folgenden Symptome für mindestens 1 Woche vorhanden und machen es der Person sehr schwer, zu arbeiten:

● Sich ungewöhnlich “hoch”, euphorisch oder gereizt fühlen

mit wenigstens 4 der folgend Symptome:

● Wenig Schlaf brauchen bei noch vorhandene großen Energiemengen

● So schnell sprechen, dass andere ihnen nicht folgen können

● Rasende Gedanken haben

● Einfach so unruhig sein, dass ihre Aufmerksamkeit zwischen vielen Themen

in wenigen Minuten wechselt

● Ein aufgeblasenes Gefühl der Macht, Größe oder Bedeutung haben

● Leichtsinnige Dinge ohne Rücksicht über die möglichen schlimmen Konsequenzen tun (z. B. viel zu viel Geld ausgeben, unangemessene Sexuelle Aktivitäten, oder törichte geschäftliche Investitionen tätigen)

In schweren Fällen kann die Person auch psychotische Symptome wie Halluzinationen zeigen (Dinge hören oder sehen, die nicht real sind) oder Wahnvorstellungen (fest glauben, dass Dinge nicht wahr sind).  

Weiteres siehe unter Bipolare Störungen Manie

 


4. Was ist Hypomanie?

Hypomanie (hypomanische Episode). Hypomanie ist eine mildere Form der Manie, die ähnliche, aber weniger schwere Symptome aufweist und geringere Beeinträchtigungen hervorruft. Während einer hypomanischen Episode kann die Person eine gehobene Stimmung haben, sich besser als üblich fühlen und produktiver sein. Diese Episoden fühlen sich häufig angenehm an und das Streben nach einer Hypomanie kann sogar einige Personen mit bipolarer Störung veranlassen, ihre Medikamente abzusetzen. Wie auch immer, die Hypomanie kann kaum unbegrenzt aufrechterhalten werden und  häufig schließt sich eine Eskalation in die Manie oder der Absturz in eine Depression an.

Siehe unter Bipolare Störungen Hypomanie

 
5. Was ist der Unterschied zwischen Euphorie und Dysphorie?

Am häufigsten beginnt eine manische Symptomatik mit leichter Hyperaktivität, Reduzierung des Schlafbedürfnisses und Euphorie. Darunter versteht man ein übersteigertes Wohlbefinden. Das Gegenteil ist die Dysphorie, ein ängstlich-bedrückter, trauriger, mit Gereiztheit einhergehender Stimmungszustand.


6. Was ist ein gemischter Zustand?

Gemischte Episode. Vielleicht sind die Episoden, die am meisten arbeitsunfähig machen, solche, bei denen die sowohl Symptome der Manie als auch der Depression zu gleicher Zeit oder während des Tages häufig wechselnd auftreten. Personen sind reizbar oder aufgeregt wie bei der Manie, aber auch empfindlich und bedrückt. Infolge der Kombination von hoher Energie und Depression stellen gemischte Episoden das größte Risiko von Suiziden dar.  

Näheres siehe unter Bipolare Störungen Gemischter Zustand

 
7. Was ist Rapid Cycling (schneller Phasenwechsel)?

Bei der Rapid Cycling Form der Bipolaren Störung hat eine Person mindestens

4 Episoden im Jahr in jeder Kombination von manischen, hypomanischen, gemischten oder depressiven Episoden. Dieses Verlaufsmuster wird bei ungefähr 5% bis 20% der Patienten mit bipolarer Störung beobachtet. Es wird manchmal in Verbindung gebracht mit dem Gebrauch von Antidepressiva ohne Stimmungsstabilisierer, was das Rapid Cycling verstärken kann. Aus unbekannten Gründen ist das Rapid Cycling, eine Unterkategorie der bipolaren Störung, häufiger bei Frauen als bei Männern.

Weiteres siehe unter Bipolare Störungen Rapid Cycling

 
8. Was sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen?  

Halluzinationen (Dinge hören oder sehen, die nicht real sind) oder Wahnvorstellungen (fest glauben, dass Dinge nicht wahr sind) sind psychotische Symptome, die während akuter manischer und schwerer depressiver Episoden beim Erkrankten auftreten können.


9. Wie hält man unipolare Depression und bipolare Störung auseinander?  

Stimmungsstörungen sind biologische Krankheiten, die unsere Fähigkeit zu normalen Stimmungszuständen beeinträchtigen. Es gibt 2 generelle Gruppen vor Stimmungsstörungen: unipolare depressive Störungen, bei denen alle abnormalen Stimmungswechsel eine niedergedrückte Stimmung hervorrufen, und bipolare Störungen, bei denen zuletzt einige der Stimmungsumschwünge eine unnatürliche Erhöhung  der Stimmung zur Folge haben.


10. Was ist Zyklothymie?  

Zyklothymie ist eine minder schwere Form der bipolaren Störung.

Nach dem ICD-10 und dem DSM-IV ist darunter eine anhaltende, d. h. mindestens zwei Jahre andauernde affektive Störung, die durch häufigen und andauernden Wechsel (sub)depressiver und hypomanischer Phasen gekennzeichnet ist, zu verstehen, ohne dass diese die Kriterien für eine manische, eine mittelgradige oder schwere depressive Episode erfüllte.

Wenigstens während einiger depressiver Episoden sollten mindestens drei der folgenden Symptome vorhanden sein:

1. verminderter Antrieb oder Aktivität,

2. Schlaflosigkeit,

3. Verlust des Selbstvertrauens oder Gefühl der Unzulänglichkeit,

4. Konzentrationsschwierigkeiten,

5. sozialer Rückzug,

6. Verlust des Interesses oder der Freude an Sexualität und anderen angenehmen

    Aktivitäten

7. verminderte Gesprächigkeit,

8. Pessimismus im Hinblick auf die Zukunft oder Grübeln über die Vergangenheit.

 

Wenigstens während einiger Perioden mit gehobener Stimmung sollten drei der folgenden Symptome vorhanden sein:

1. vermehrter Antrieb oder Aktivität,

2. herabgesetztes Schlafbedürfnis,

3. überhöhtes Selbstgefühl,

4. geschärftes oder ungewöhnlich kreatives Denken,

5. mehr Geselligkeit als sonst,

6. gesprächiger oder witziger als sonst,

7. gesteigertes Interesse und Sicheinlassen in sexuelle und andere angenehme

   Aktivitäten.

 

B. Für Betroffene

1. Wie kann ich am besten auf mich selbst aufpassen?  

Zuerst sollten sie Experte ihrer bipolaren Krankheit werden.

Kann ich etwas tun, um meine Behandlung zu unterstützen? Ja, sehr viel.

Weil die bipolare Störung ein lebenslanger Zustand ist, ist es wichtig, dass sie und ihre Familie oder ihnen Nahestehende alles über die Krankheit  und ihre Behandlung lernen. Lesen sie Bücher, besuchen sie Vorträge, sprechen sie mit dem Arzt oder Therapeuten oder überlegen sie, sich einer nahe gelegenen Selbsthilfegruppe anzuschließen, um bei medizinischen oder anderen Entwicklungen auf dem Laufenden  zu bleiben und um auch von anderen zu lernen, ihre Krankheit zu bewältigen. Ein informierter Patient zu sein, ist der sicherste Weg zum Erfolg.

Sie können häufig dazu beitragen, die kleineren Stimmungsumschwünge und Belastungen zu reduzieren, die manchmal zu schweren Episoden führen, durch Beachtung des folgenden:

Halten sie stabile Schlafgewohnheiten ein. Gehen sie jede Nacht zur gleichen Zeit zu Bett und stehen sie jeden morgen zur gleichen Zeit auf. Unterbrochener Schlaf erscheint chemische Veränderungen in ihrem Körper zu erzeugen, die Stimmungs-Episoden auslösen können. Wenn sie eine Reise machen, bei der sie Zeitzonen überschreiten und einen „Jet lag“ bekommen können, holen sie sich Rat von ihrem Arzt ein.

Halten sie ein regelmäßiges Muster von Aktivitäten ein. Seien sie nicht ausgelassen oder stellen sie an sich selbst keine unmöglichen Anforderungen.

Nehmen sie keinen Alkohol oder verbotene Drogen zu sich.

Alkohol und Drogen können Stimmungs-Episoden auslösen und die Wirksamkeit psychiatrischer Medikamente beeinträchtigen. Sie könnten es manchmal verlockend finden, Alkohol oder Drogen zu sich zu nehmen, um ihre eigenen Stimmungs- oder Schlafprobleme zu „behandeln“ – aber dies macht die Angelegenheit meist nur noch schlimmer. Wenn sie ein Substanzproblem haben, fragen sie ihren Arzt nach Hilfe und erwägen sie die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker oder vergleichbarer Gruppen. Seien sie sehr vorsichtig bei dem „täglichen“ Gebrauch kleiner Mengen Alkohol, Koffein und einiger rezeptfreier Medikamente gegen Erkältungen, Allergien oder Schmerzen.

Sogar kleine Mengen dieser Substanzen können den Schlaf, ihre Stimmung oder die Wirkung ihrer Medikamente beeinträchtigen. Es mag nicht fair erscheinen, sie ihres Aperitifs vor der Mahlzeit zu berauben, oder der morgendlichen Tasse Kaffee, aber für viele Leute kann dies den Tropfen bedeuten, der das Fass zum Überlaufen bringt.  

 
2. Wie kann ich meinen eigenen Geisteszustand einschätzen?  

Ein Tagebuch oder Stimmungskalender, der beim DGBS e. V. erhältlich ist, ist hier sehr nützlich. Mit der „Palm LifeChart“ Methode http://www.lifechart.de/ können die täglichen Stimmungen mit einem Palm Organizer oder mit einem PC mit Internetanschluß in wenigen Minuten elektronisch erfasst, aufgezeichnet und später für längere Zeiträume vom Arzt ausgewertet werden.

Die Goldberg Depression und Manie Selbsteinschätzungsskalen geben einen Hinweis auf Stimmungsveränderungen innerhalb der letzten 14 Tage. In deutscher Übersetzung finden sie diese unter Wissen / Literatur.

Alle diese Methoden ersetzen nicht das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Als Erkrankter kann man sich manchmal am wenigsten selbst einschätzen. Die Beobachtung durch Familienangehörige oder Freunde kann für sie bei ihrer Selbsteinschätzung sehr hilfreich sein.

 

3. Welche Medikamente werden gewöhnlich zur Behandlung benutzt?

Auswahl eines Stimmungsstabilisierers für eine akute manische Episode

Medikamente erster Wahl zur Behandlung einer manischen Episode während der akuten Phase sind Lithium und Valproinsäure. Bei der Wahl zwischen diesen beiden Medikamenten wird der Arzt ihre Behandlungsgeschichte (ob eines von diesen Medikamenten bei ihnen gut gewirkt hat), der Art der Art ihrer bipolaren Störung (z. B. ob sie häufig sich wiederholende schnelle Phasenwechsel „Rapid Cycling“ der bipolaren Störungen haben), ihren gegenwärtigen Stimmungszustand (euphorische oder gemischte Manie) und die besonderen Nebenwirkungen, über die sie am meisten besorgt sind, berücksichtigen.

Lithium und Valproinsäure sind beide eine gute Wahl für die “reine” Manie (euphorische Stimmung ohne Symptome der Depression), während Valproinsäure für gemischte Episoden oder Patienten mit „Rapid Cycling“, einer Form bipolarer Störung, bevorzugt wird. Es ist nicht unüblich, Lithium und Valproinsäure zu kombinieren, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Wenn diese Kombination noch nicht voll wirksam ist, wird manchmal ein dritter Stimmungsstabilisierer hinzugefügt.

Carbamazepin ist eine gute alternative Medikation nach Lithium und Valproinsäure. Wie Valproinsäure kann Carbamazepin insbesondere bei gemischten Episoden und beim Rapid Cycling wirksam sein. Es kann mühelos mit Lithium kombiniert werden, obwohl es mit Valproinsäure schwieriger zu kombinieren ist.  

Wie schnell wirken Stimmungsstabilisierer?

Es kann einige Wochen dauern, bis eine gute Wirkung nach Einnahme der Stimmungsstabilisierer eintritt. Wie auch immer, es ist häufig hilfreich, Stimmungsstabilisierer mit anderen Medikamenten zu kombinieren, die eine sofortige, kurzfristige Erleichterung von Schlaflosigkeit, Ängsten und Unruhe verschaffen, die häufig während einer manischen Episode vorkommen. Die Wahlmöglichkeiten einer ergänzenden Medikation schließen ein:

● antipsychotische Medikamente, besonders wenn die Person auch psychotische Symptome hat

● Ein Beruhigungsmittel (Sedativum), meist Benzodiazepine wie Lorazepam oder Clonazepam und andere ein.

Sie sollten sorgfältig überwacht oder vermieden werden bei Patienten, die eine Geschichte der Drogen- oder Alkoholsucht aufweisen.

Weil sowohl Benzodiazepine als auch Neuroleptika Schläfrigkeit verursachen können, werden die Dosen generell herabgesetzt, sobald sich der Erkrankte von der akuten Episode erholt.

Einige Erkrankte benötigen Sedativa für einen längeren Zeitraum, um bestimmte Symptome wie Schlaflosigkeit oder Angst zu beherrschen. Eine Langzeitbehandlung mit einem Neuroleptikum  ist manchmal nötig, um einen Rückfall zu verhüten.  

Auswahl eines Antidepressivums für eine akute Depression

Wenn auch ein Stimmungsstabilisierer die mildere Form der Depression allein behandeln kann, wird ein Antidepressivum üblicherweise für die schwerere Form der Depression gebraucht. Es ist gefährlich, Antidepressiva bei bipolarer Störung allein zu geben, weil sie eine Zunahme des Rapid Cycling auslösen können, oder die Stimmung einer Person „übers Ziel hinaus schießen“ lassen und von einer Depression zu Manie oder Hypomanie übergehen können (Switch-Risiko). Aus diesem Grunde werden Antidepressiva bei der bipolaren Störung immer in Kombination mit einem Stimmungsstabilisierer gegeben.

Antidepressiva brauchen üblicherweise mehrere Wochen, bis sie wirken. Wenn auch das erste ausprobierte Antidepressivum bei der Mehrheit der Patienten wirkt, ist es üblich, für Patienten 2 oder 3 Versuche durchzuführen, bevor man eines findet, das voll wirksam ist und keine lästigen Nebenwirkungen erzeugt. Während man auf die Wirkung des Antidepressivums wartet, kann es hilfreich sein, ein beruhigendes (sedierendes) Medikament einzunehmen, um Erleichterung bei Schlaflosigkeit, Angst oder Unruhe zu schaffen.

Wenn eine Depression trotz des Gebrauchs eines Antidepressivums mit einem Stimmungsstabilisierer fortdauert, kann der Einsatz von Lithium (wenn nicht bereits in Gebrauch) oder der Wechsel des Stimmungsstabilisierers helfen. Insbesondere Lamotrigin kann bei einer Depression hilfreich sein.  

Strategien, um die Nebenwirkungen zu begrenzen

Alle Medikamente, die zur Behandlung der bipolaren Störung eingesetzt werden, können störende Nebenwirkungen erzeugen; es gibt auch einige schwerwiegende, aber seltene Reaktionen. Wie verschiedene Patienten unterschiedliche Reaktionen auf verschiedene Medikamente haben, kann die Art der Nebenwirkungen, die verschiedene Personen entwickeln, breit variieren, und einige Personen werden überhaupt keine Nebeneffekte bekommen.

Wenn also jemand Problem mit den Nebenwirkungen des Medikaments 1 hat, bedeutet das nicht, dass diese Person unangenehme Nebenwirkungen mit einem anderen Medikament entwickeln wird.

Bestimmte Strategien können helfen, die Nebenwirkungen zu verhindern oder zu minimieren.

Der Arzt kann zum Beispiel mit einer niedrigen Dosis starten und die Medikation zu höheren Dosen sehr langsam einstellen. Wenn das auch bedeuten kann, länger zu warten, ob die Medikation gegen die Symptome hilft, reduziert es das Risiko, dass sich Nebenwirkungen entwickeln. Im Fall von Lithium oder Valproinsäure sind Blutbilduntersuchungen sehr wichtig, um sicherzustellen, dass der Patient genügend Medikation zur Wirkung erhält, aber nicht mehr als notwendig ist. Wenn Nebenwirkungen eintreten, kann die Dosis häufig angepasst werden, um Nebenwirkungen auszuschließen, oder eine andere Medikation kann zur Wirksamkeit hinzugefügt werden. Es ist wichtig, ihre Sorgen hinsichtlich der Nebenwirkungen und jedes Problem, das sie erfahren, mit dem Arzt zu besprechen, so dass er/sie diese in Erwägung ziehen kann, um ihre Behandlung zu planen.

Weiteres siehe unter Medikamente

C. Für die Familie, Freunde und Bekannte

1. Wie kann ich einem Freund oder Angehörigen helfen?

Wenn sie Familienmitglied oder Freund eines Menschen mit bipolarer Störung sind, informieren sie sich über des Patienten Krankheit, ihre Ursachen und ihre Behandlung. Sprechen sie mit dem Arzt des Patienten, wenn möglich. Lernen sie die individuellen Warnzeichen für diese Person kennen, die anzeigen, dass er oder sie manisch oder depressiv wird. Sprechen sie mit der Person, während sie sich wohl fühlt, über das, was sie tun sollten, wenn sie erkennen, dass die Symptome in Erscheinung treten.

● Ermutigen sie den Patienten, mit der Behandlung fortzufahren, den Arzt aufzusuchen  und Alkohol und Drogen zu meiden. Wenn es dem Patienten schlecht geht oder dieser schwere Nebenwirkungen hat, ermutigen sie die Person, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen, aber setzen sie die Medikamente nicht ohne Anweisung des Arztes ab.

● Falls ein naher Angehöriger an einer Stimmungs-Episode erkrankt und plötzlich ihre Sorge als Einmischung ansieht, betrachten sie dies nicht als Zurückweisung ihrer Person sondern mehr als ein Symptom der Krankheit.

● Lernen sie die Zeichen von Suizid kennen und nehmen sie die Drohungen einer Person, die sie macht, sehr ernst. Wenn die Person ihre Angelegenheiten abwickelt, über Suizid spricht, ständig Suizidmethoden diskutiert, oder verstärkt Gefühle der Verzweiflung zeigt, schreiten sie ein und suchen Hilfe vom Arzt des Patienten, anderen Familienmitgliedern oder Freunden. Die Privatsphäre ist eine zweitrangige Angelegenheit, wenn die Person in Gefahr ist, einen Selbstmord zu begehen. Rufen sie den Rettungswagen mit der  Notfallnummer 112  oder die Notaufnahme eines Krankenhauses an, wenn die Situation ausweglos wird.

● Wenn jemand für manische Episoden anfällig ist, nutzen sie die Perioden einer stabilen Stimmung, um verbindliche Anweisungen zu vereinbaren – Pläne und Vereinbarungen mit der Person, wenn er oder sie stabil ist, um zu versuchen, Probleme während zukünftiger Episoden einer Erkrankung zu vermeiden. Sie sollten diskutieren, wann Sicherungsmaßnahmen wie Vorenthalten der Kreditkarte, der Karte für Geldautomaten oder der Autoschlüssel einsetzen oder wann der Erkrankte ins Krankenhaus gehen wird.

● Teilen sie die Verantwortlichkeit der Sorge für den Patienten mit anderen Angehörigen. Dies wird helfen, die stressigen Wirkungen der Krankheit auf die Helfer zu vermindern und dem Ausbrennen oder ihren übel nehmenden Gefühlen (Groll) vorbeugen.

● Wenn sich Patienten von einer Episode erholen, lassen sie sie sich dem Leben mit ihrem eigenen Tempo nähern, und vermeiden sie die Extreme, zuviel oder zuwenig zu erwarten. Versuchen, Dinge mit ihnen zu tun, mehr als für sie tun, sodass sie in der Lage sind,  ihren Sinn für das Selbstvertrauen wiederzugewinnen.

Behandeln sie Leute normal, wenn sie sich einmal erholt haben, aber seien sie wachsam bei verräterischen Symptomen. Wenn die Krankheit wieder auftritt, können sie dies meist eher bemerken als die erkrankte Person. Zeigen sie die frühen Symptome in einer mitfühlenden Weise an und schlagen sie ein Gespräch mit dem Arzt vor.

● Sowohl sie und der Patient müssen lernen, den Unterschied zwischen einem guten Tag und einer Hypomanie, und einem schlechten Tag und einer Depression zu kennen. Patienten mit bipolarer Störung haben gute Tage und schlechte Tage wie jeder andere auch. Mit Erfahrung und Kenntnis werden sie fähig sein, den Unterschied zwischen beiden zu erkennen.

● Nutzen sie die erreichbare Hilfe von Selbsthilfegruppen.


2. Was ist zu tun (oder zu lassen), wenn jemand, für den sie sorgen, als bipolar Erkrankter diagnostiziert wird  

Es ist nicht immer leicht, mit jemandem zu leben, der Stimmungsumschwünge hat. Wenn sie alle so viel wie möglich über die bipolare Störung lernen, werden sie in der Lage sein zu helfen, den zwangsläufigen Stress in Beziehungen, den die Störung verursachen kann, zu vermindern. Selbst die „friedlichste“ Familie braucht manchmal Hilfe von außen, um mit der Belastung eines Angehörigen, der andauernde Symptome hat, fertig zu werden. Fragen sie den Arzt oder Therapeuten, ihnen und ihrer Familie bei der Unterrichtung über die Krankheit zu helfen. Familientherapie und das Mitmachen in einer Selbsthilfegruppe können auch sehr hilfreich sein.  

 
3. Was ist zu tun (und was zu lassen) wenn sie vermuten, dass jemand, für den sie sorgen, Hilfe braucht, sich aber weigert, sie für sich selbst zu suchen.  

Wenn jemand eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt, veranlassen sie die Hinzuziehung eines Facharztes. Dieser wird dann feststellen, ob eine stationäre Krankenhausaufnahme notwendig ist. Weigert sich der Patient, sich freiwillig in stationäre Behandlung zu begeben, kommt bei einer Eigen- oder Fremdgefährdung die zwangsweise Unterbringung in einem Fachkrankenhaus nach dem jeweiligen Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) eines Bundeslandes in Betracht.